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Klassische Schildpatt Ver- und Bearbeitung

Da ich mittlerweile über das Aufarbeiten von Rasiermessern hinweg bin, nachdem ich rund 1000 Stück restauriert, geschärft und ausprobiert habe, ist das Thema langsam erschöpft), möchte ich langsam selbst zur Fertigung derselben übergehen.

Am liebsten natürlich das Schmieden eigener Stücke. Da dies jedoch neben einem gerüttelten Maß an Fachkenntnis vor allem eine Schmiede voraussetzt und ein Ort an dem ich lärmen kann, fange ich als erstes einfach bei der Fertigung von Rasiermesser Schalen an.

Da ich Holzhefte an Rasiermessern jedoch nicht besonders mag, Celluloid praktisch nicht mehr hergestellt wird, genauso wie Galalith, Bakelitz, Guttapercha usw., habe ich begonnen, mich zumindest Theoretisch mit der Verarbeitung von Horn, Knochen, Schildpatt, Elfenbein und Horn zu beschäftigen. Gerade Schildpatt ist ein wunderbares, extrem wertvolles Material. Natürlich aus bekannten Gründen nicht mehr im Handel erhältlich, und das ist auch gut so.

Aber trotzdem finde ich dieses organische Horn-/Knochenmaterial faszinierend in seinen eigenschaften, seiner Beschaffenheit, seiner Transparenz und wunderbaren Formbarkeit und Altersbeständigkeit.

Leider gibt es kaum noch Quellen die etwas über die Verarbeitung dieses Materials zum Besten geben können. Ähnlich wie die Herstellung von echtem Dasmaszener Stahl ist die Kenntnis der Verarbeitung von Schildpatt praktisch verloren gegangen und muß mühselig wieder erarbeitet werden. Gleiches gilt z.b. auch für die herstellung klassischer japanischer Schwerter. Auch hier gibt es nur noch eine Handvoll lebender alter Meister, meist nationale Denkmäler, die Kenntnis über das Schmieden, Schleifen, Polieren, Schärfen, Scheidenbau usw. vermitteln können.

Das alles ist sehr schade und traurig und ich bin oft bemüht, mir zumindest theoretische Fachkenntnisse auf allen möglichen Gebieten anzueigenen, weil ich es fatal finde, das soviele Kenntnisse, die über JAHRHUNDERTE angeeignet wurden, einfach verloren gehen. Seien es Feilenhauer, Waffenschmiede, Schwertmeister, Schmiedemeister, Böttcher, Korbflechter, Rasiermesserhohlschleifer, Damstschmiede, Tamahagane Herstellung, Wootzverarbeitung, Ebenistenkünster oder sonst was.

Aus diesem Grund versuche ich hier, einige Quellen bzg. solcher Künste öffentlich zu machen.

Ich fange an dieser Stelle also mit der SchildpattBe- und Verarbeitung an. die Quellen sind mager, aber eine habe ich gefunden: Bebildert ist nur die Downloadversion!

Schildpatt Be- und Verarbeitung, Materialbeschaffenheit usw.

SCHILDPATT, DAS MATERIAL
UND MÖGLICHKEITEN SEINER VERARBEITUNG
Ruth Remetter München, 19. November 2002
2
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
1 DEFINITION 6
1.1 Schildpatt 6
1.2 Unterscheidungskriterien 7
1.2.1 Echte Karettschildkröte 7
1.2.2 Unechte Karettschildkröte 7
1.2.3 Suppenschildkröte 8
2 HERKUNFT 9
2.1 Herkunftsländer und Erscheinungsformen 9
2.2 Schildpattgewinnung 9
2.3 Handel im historischen Europa 10
3 ARTENSCHUTZ 11
3.1 Gesetzgebung 11
3.2 Ersatzmaterialien 11
3.2.1 Historische Ersatzstoffe 12
3.2.2 Moderne Ersatzstoffe 12
3.3 Restauratorische Probleme
4 MATERIAL 13
4.1 Chemische Zusammensetzung und Aufbau 13
4.2 Materialeigenschaften 13
5 HISTORIE 15
5.1 Verwendung von Schildpatt 15
5.2 Objekte und Beispiele aus dem Kunsthandwerk 17
3
6 VERARBEITUNG 19
6.1 Planieren der Platten 19
6.2 Egalisieren der Stärke 20
6.3 Schweißen 21
6.4 Räumliche Verformung von Schildpatt 24
6.4.1 Räumliche Verformung ohne Dehnung des Materials 24
6.4.2 Räumliche Verformung mit Dehnung des Materials 25
6.5 Aufleimen auf den Träger 27
7 Resümee 29
4
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. Seite
1a
b
Echte Karettschildkröte
Hornplatte der Echten Karettschildkröte
6
2 Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) 7
3 Indo-portugisische Cambaia 9
4 Rückenpanzer einer Echten Karettschildkröte, Außen- und Innenansicht 10
5 Querschliffnr. 1630, Schichtenaufbau von Schildpatt 13
6 Kunstkammer um 1655 15
7 Prunkschreibtisch mit Aufsatz in Boulle-Technik um 1700 16
8 Kämme, Schildpatt und Silber, 16. Jh. 16
9a
bc
Herzförmige Flasche, Schildpatt und Silber, 16. Jh.
Becken, Schildpatt, 16. Jh.
Konfektschale, Schildpatt, 2. Hälfte 16. Jh.
17
10 Kabinettschrank, Ende 17. Jh. 17
11 Kabinettschrank um 1680/85 18
12 Innenleben des Kabinettschranks auf Abb. 11 18
13a
b
Erweichen von Schildpatt
Pressen von Schildpatt
20
14a
b
Schleifen des Schildpatts
Polieren des Schildpatts
21
15 Formen und Gerätschaften zum Bearbeiten von Schildpatt, Roubo 1771-76 21
16 Verschweißen von Schildpatt 22
17 Zange zum Verschweißen von Schildpatt 22
18 Verschweißtes Schildpatt 23
19 Querschliffnr. 1631, Verschweißtes Schildpatt 24
5
20 Räumliche Verformung ohne Dehnung des Materials 25
21 Räumliche Verformung in der Spindelpresse 26
22 Räumliche Verformung mit Dehnung des Materials 27
23a
bc
Messingaußenform
Gebogenes und gedehntes Schildpatt
Innenform aus Epoxidharz
27
24a
bc
Räumliche Verformung ohne Dehnung und Träger
Räumliche Verformung mit Dehnung und Träger
Verschweißtes Schildpatt auf dem Träger
28
6
SCHILDPATT, DAS MATERIAL
UND MÖGLICHKEITEN SEINER VERARBEITUNG
Die Zielsetzung der ist es, Verarbeitungstechniken des Schildpatts aus historischen
Quellenschriften umzusetzen. Der Schwerpunkt liegt bei der Verschweißung des
Materials und seiner räumlichen Verformung. Eine vorherige Erforschung des
Materials ist ebenfalls Thema und gleichzeitig auch die Voraussetzung für die
Schildpattverarbeitung.
1 DEFINITION
1.1 Schildpatt
Schildpatt ist die Bezeichnung für die verhornte Oberhaut der Rücken- und
Bauchschilde von Schildkröten. Diese Panzer bestehen aus einzelnen
Knochenplatten, deren Überzug Epidermis oder auch Hornhaut genannt wird.
Das im Kunsthandwerk verwendete Schildpatt wird ausschließlich von drei Arten
der Meeresschildkröten, den Cheloniidae, gewonnen. Es handelt sich hierbei um
die Echte Karettschildkröte, die Unechte Karettschildkröte und die
Suppenschildkröte. Hauptsächlich wird das Schildpatt der Rückenschilde benutzt.
Das Bauchschild ist durch die Art der Fortbewegung der Tiere häufig verkratzt und
dünner.
Der Begriff Schildpatt entwickelte sich aus dem norddeutschen/niederländischen
Wort „Schildpadde“ ab, was nichts anderes bedeutet als „Schildkröte“ 1. Auch wird
in älteren Quellenschriften Schildpatt als Schildkrot bezeichnet.
1 J. G. Krünitz´s Ökonomisch-technologische Encyklopädie, S. 440
Abb. 1a Echte Karettschildkröte (Eretmochelys
imbricata); b Hornplatte der Echten Karettschildkröte
a b
7
1.2 Unterscheidungskriterien
1.2.1 Echte Karettschildkröte
Als das Echte Schildpatt bezeichnet man die Hornplatten des Panzers der Echten
Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata / hawksbill turtle). Sie war und ist der
Hauptlieferant für dieses so begehrte Material.
Man erkennt sie sehr gut an den nach hinten schindelartig überlappenden Schildern,
die im Jugendalter hornfarben und dunkel geflammt sind, später wird die
Zeichnung eher tüpfelartig 2. Der auffallend scharf gezackte Panzerrand ist ein
weiteres unverwechselbares Merkmal.
Das Rückenschild besitzt insgesamt 25 Rand- oder Seitenschilde und 13
Mittelschilde. Nur die Mittelschilde werden verarbeitet. Einzelne Hornplatten
sollen max. bis zu 30 x 17 cm groß werden. Die Rückenpanzer können eine Länge
von 60 – 95 cm Länge erreichen. Die Dicke des Schildpatts wird in der Literatur
sehr unterschiedlich zwischen 0,5 – 6,5 mm angegeben. Dabei ist nicht immer
sicher festzustellen, ob es sich um das Schildpatt der Echten Karettschildkröte
handelt, oder um das anderer Arten. Ruth Vuilleumier gibt die Stärke des „Echten“
Schildpatts mit 3 – 6,5 mm an.
1.2.2 Unechte Karettschildkröte
Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta / loggerhead turtle) ist die Einzige
der drei genannten Arten von Meeresschildkröten, die auch im Mittelmeer heimisch
ist. Sie besitzt einen größeren Panzer mit zwei Hornplatten mehr als die Echte
Karettschildkröte. Ein weiterer Unterschied sind die nebeneinander liegenden, nicht
geschindelten Rückenschilder. Die Unechte Karettschildkröte bildet dünnere
Hornplatten aus, mit einer Stärke zwischen 1 und 2 mm. Die Zeichnung des
2 Dr. Dr. H. C. Grzimek, Grzimeks Tierleben, Bd. 6 Kriechtiere, S. 110/11
Abb. 2 Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
vor Tahiti mit den gut sichtbaren Merkmalen der
überlappenden Hornplatten und dem gezackten
Panzerrand
8
Schildpatts kann dem Echten Schildpatt sehr ähnlich sein, jedoch soll sie von der
Farbgebung eher etwas mehr ins bräunliche gehen und nicht so klar gefleckt sein.
1.2.3 Suppenschildkröte
Eine weitere Wasserschildkröte die Schildpatt liefert, ist die Riesen- oder auch
Suppenschildkröte (Chelonia mydas / green turtle). Sie gehört mit einer
Panzerlänge von ca. 150 cm zu den größten Schildkröten ihrer Art. Auch sie besitzt
2 Rückenschilder mehr als die Echte Karettschildkröte. Suppenschildkröten spielen
in der Schildpattgewinnung eine eher untergeordnete Rolle, da deren Hornplatten
nur ca. 0,3 bis 1,5 mm dick werden. Im Krünitz´s Lexikon heißt es, das Schildpatt
der Riesenschildkröte sei das schlechteste und kaum noch bei Kaufleuten zu
finden.3 Ihr Fleisch wurde im 19. Jahrhundert zur Spezialität und auch das
Schildpatt wurde ausschließlich ab dem 19. Jh., z. B. für Lampenschirme
verarbeitet. Die Zeichnungfarbe der Platten geht vom Dunkel- bis ins Hellbraune.
3 J.G. Krünitz´s Ökonomisch-technologische Encyklopädie, S. 443
9
2 HERKUNFT
2.1 Herkunftsländer und Erscheinungsformen
Wasserschildkröten sind fast ausschließlich in warmen, tropischen oder
subtropischen Gewässern vorzufinden. Die Zeichnung und damit die Qualität des
Schildpatts hängen von der Schildkrötenart und der geographischen Herkunft der
Tiere ab.
So kommt zum Beispiel ein hellgelbes Schildpatt mit einer braunen bis schwarzen
Zeichnung vorwiegend aus Ostindien. Das Schildpatt der ägyptischen Schildkröte
weist ein helles rotbraun mit dunkel rotbrauner Zeichnung auf. Amerikanisches
Schildpatt ist meist rot-fleckig. Einfarbige, helle Platten, auch blindes Schildpatt
genannt, sind eine Rarität und somit auch sehr teuer (siehe Abb. 3).
Europa erhielt den größten Teil der benötigten Schildpattmenge im 18. und 19.
Jahrhundert von den Bahamas, den Antillen, den Kapverdischen Inseln und
Guyana. Die Holländer importierten mit ihrer Handelskompanie vorwiegend
Schildpatt aus Westindien bzw. den Molukken und Spanien meist von den
Malabarinseln 4.
Weitere Vorkommen fand man in Madagaskar, China, Neuguinea und dem
Bismarckarchipel 5.
2.2 Schildpattgewinnung
Um das begehrte Material von den Schildkrötenpanzern zu lösen wird Wärme
benötigt. Schriften aus dem 16. bis 20. Jahrhundert zufolge, wurden die lebenden
Tiere entweder in kochendes Wasser gelegt oder über ein Feuer gehalten. Das
4 J.G. Krünitz´s Ökonomisch-technologische Encyklopädie, S. 444
5 Fritz Spannagel, Das Drechslerwerk, S.180
Abb. 3 Indo-portugisiche Cambaia oder
Surrate, 1. Jh. n. Chr. / Schildpatt und Silber /
Lissabon, Museu de Sáo Roque
10
Schildpatt erweicht unter Wärmeeinwirkung und lässt sich leicht mit einem Messer
vom Knochenpanzer ablösen.
Das Fleisch galt im 18. Jh. als nicht besonders schmackhaft und die europäischen
Jäger glaubten das Schildpatt würde nachwachsen. Deshalb wurde das Tier, wenn
es diese Prozedur überlebte, wieder im Meer freigelassen. Tatsächlich steht in
Grzimeks Tierleben, dass sich bei recht jungen Tieren der Panzer annähernd wieder
nachbilden könne. 6 Jedoch ist der Ertrag an Schildpatt bei jungen Schildkröten
natürlich nicht besonders hoch.
Man erhält von einer ca. 75 kg schweren Karettschildkröte, eine brauchbare
Schildpattausbeute von ca. 2,5 kg.
5 Schilde sitzen über der Wirbelsäule, sind stärker gewölbt und ungleich dicker als
die 8 äußeren Mittelschilde, die flacher und relativ gleichmäßig stark sind (Abb.
1a/b).
2.3 Handel im historischen Europa
Jahrhunderte lang wurde das Schildpatt in den genannten Herkunftsgebieten
gewonnen und nach Europa verschifft. Lange Transportwege, die Lagerung in
Magazinen und die daraus resultierende fehlende Luftzufuhr, bewirkten nicht selten
ein Wurmbefall des Materials. Dieser konnte ganze Schiffsladungen vernichten.
Das begehrte Rohmaterial wurde von den großen europäischen Häfen, wie
Marseille, Amsterdam, Hamburg u.a., pfundweise an Händler und
Kunsthandwerker verkauft.
Im Jahre 1784 kostete ein Pfund Schildpatt in Amsterdam 6 bis 15 Gulden Banko7.
1895 wurden in Hamburg 9305 kg Schildpatt im Wert von 350.000 Mark
verkauft8. Der damalige Preis variierte natürlich mit der Qualität des gelieferten
Schildpatts. Und diese konnte, abhängig von Faktoren wie Schildkrötenart,
Ausmaße der einzelnen Platten, usw., sehr unterschiedlich ausfallen.
6 Dr. Dr. H. C. Grzimek, Grzimeks Tierleben, Bd. 6 Kriechtiere, S. 110 - 111
7 Lois Edgar Andres, Verarbeitung des Horns, Elfenbeins, Schildpatts, der Knochen, des Perlmutts, S. 134
8 J.G. Krünitz´s Ökonomisch-technische Encyklopädie, S. 444
Abb. 4 Rückenpanzer
einer Echten Karettschildkröte
(Eretmochelys
imbricata), Außen- und
Innenansicht
11
3 ARTENSCHUTZ
3.1 Gesetzgebung 9
Eine erste internationale Regelung für bedrohte Lebewesen ist das Washingtoner
Artenschutzübereinkommen (englisch CITES, Convention on International Trade in
Endangered Species), welches seit dem 3.3.1973 existiert. Es trat 1975 in Kraft.
Dieses Abkommen listet gefährdete Arten in der Tier- und Pflanzenwelt in 3
Anhängen (WA I, II, III) auf, welche ständig verändert und den neuesten
Erkenntnissen angepasst werden.
Unmittelbar von der Ausrottung bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie die
Meeresschildkröten oder auch Elefanten u.a., werden im Anhang WA I erwähnt.
Der Handel zu kommerziellen Zwecken mit den genannten Arten, sowie mit
Erzeugnissen derselben, ist verboten.
Weiterhin werden noch Sonderregelungen über die Hoheitsgebiete einzelner
Staaten, Aus- und Einfuhrgenehmigungen geregelt.
Als erster EG-Staat unterzeichnete 1976 die Bundesrepublik Deutschland dieses
Abkommen. Die zuständigen CITES-Behörden sind das Bundesumweltministerium
und das Bundesamt für Naturschutz.
Der Bestand der Echten Karettschildkröte ging weltweit in den letzten Jahrzehnten
um 80 % zurück. Nicht allein der Handel mit Schildpatt ist für diese erschreckende
Zahl verantwortlich, sondern auch die fortschreitende Zerstörung der Lebensräume.
Viele Tiere verfangen sich in Fischernetzen und ertrinken. In manchen Ländern
zählen Schildkröteneier als Delikatesse, was wiederum das Ausbeuten der
Eiablageplätze zur Folge hat. Schätzungen zufolge erreicht von etwa 1000
geschlüpften Schildkröten eine die Geschlechtsreife.
3.2 Ersatzmaterialien
Eine Form des Artenschutzes ist die Verwendung von Ersatzstoffen. Die Forschung
nach Stoffen, mit denen das teure Material Schildpatt imitiert werden konnte,
begann fast zeitgleich mit dem in Mode gekommenen Schildpatt. Dies verdeutlicht
auch eine Bemerkung von G. Brice aus dem Jahre 1706: „Die Petite Galerie in
Versailles war mit Spiegeln ausgestattet. Auf recht gut imitiertem Schildpatt- und
Lapislazuligrund waren die vergoldeten Bronzerahmen befestigt10.“ In Augsburg
gab es 1625 nicht nur den Ebenholzstempel, sondern es folgte 1665 auch die
Zeichnung des Schildpatts. 11
3.2.1 Historische Ersatzstoffe
Seit jeher galt Schildpatt als ein besonderer Rohstoff, der sehr teuer und schwer zu
beschaffen war. Dies hatte natürlich zur Folge, dass Schildpatt, bald nach dem es in
Europa Mode wurde, imitiert und gefälscht wurde.
9 http://www.ifaw.org/press/german/gr032900.html
10 Ruth Vuilleumier, Schildpatt – Verarbeitungstechniken und Imitationen, in Thomas Brachert, Beiträge zur
Konservierung und Restaurierung alter Möbel, S. 136
11 Projektarbeit Katrin Prömper, Schildpattimitation auf Horn, S. 2
12
Vor der Entwicklung moderner Kunststoffe, musste man auf natürliche Rohstoffe
zurück greifen. Horn wurde wohl am häufigsten zum Imitieren von Schildpatt
verwendet. Zahlreiche Rezepte aus Quellenschriften über die Schildpattimitation
auf Horn wurden in einer Projektarbeit von Katrin Prömper an der FAK Goering
Institut behandelt.12 Fritz Spannagel erwähnt, dass Schildpatt hinsichtlich seiner
Beschaffenheit und Verarbeitung dem Büffelhorn am ähnlichsten sei. 13
Die hohe Nachfrage nach Schildpattarbeiten ging so weit, dass man selbst
Elfenbein so stark bearbeitete, dass der Eindruck von Schildpatt entstand.
Der hohe Preis des Schildpatts bewirkte, dass jedes noch so kleine Stück Verschnitt
aufgehoben wurde. „Bei dem Einteilen ist mit Rücksicht auf den hohen Wert des
Materials große Genauigkeit nötig, damit man so wenig Abfälle als möglich
erhalte; die Abfälle selbst sind sorgfältig aufzubewahren, da man auch für die
kleinsten Stückchen immer noch eine Verwendung finden kann14.“
So existieren einige Anweisungen, um Schildpattabfälle zu schmelzen und in
geeigneten Formpressen, zu Dosen, Knöpfen, Schmuck und Platten weiter zu
verarbeiten. Schildpatt verliert dabei allerdings seine Transparenz.
In ländlichen Gegenden bemühte man sich häufig dem Schildpatt ähnelnde
Bemalungen auf Möbel und anderen Objekten aufzubringen.
3.2.2 Moderne Ersatzstoffe
1869 wurde das Zelluloid entdeckt, welches mit dem Ausgangsstoff Zellulose als
Ersatzmaterial für Elfenbein und auch für Schildpatt verwendet wurde. Unter
Wärmeeinwirkung ist es ähnlich dem Horn verarbeitbar.
Um die Jahrhundertwende löste Gallalith das Zelluloid ab, denn dieses Material
hatte wesentlich mehr Vorteile. Gallalith, bestehend aus Kasein und Formaldehyd,
ist härter als Zelluloid. Es ist polierfähig und gegen Alkohol, Äther und schwache
Säuren beständig, jedoch auch geringfügig hygroskopisch.
Heutzutage wird Schildpattimitat aus modernen Kunststoffen hergestellt. Sie sind
unter verschiedenen Bezeichnungen (z. B. Rodoit) im Handel erhältlich.
3.3 Restauratorische Probleme
Für den Restaurator ergeben sich Beschaffungsprobleme von Schildpatt, da aus
Artenschutzgründen der Handel mit Tieren die im Anhang WA I, des Washingtoner
Artenschutzübereinkommens verboten ist. Deshalb muss man ernsthafte
Überlegungen bei der Materialauswahl für Restaurierungen anstellen.
Schildpatt kann von Restauratoren mit Sondergenehmigung am Flughafen
erstanden werden. So kann geschmuggeltes Schildpatt noch einen Zweck erfüllen
und es wird trotzdem kein Handel damit unterstützt.
12 Projektarbeit Katrin Prömper, Schildpattimitation auf Horn, S. 2
13 Fritz Spannagel, Das Drechslerwerk, S.180
14 Lois Edgar Andres, Verarbeitung des Horns, Elfenbeins, Schildpatts, der Knochen, des Perlmutts, S. 135
13
4 MATERIAL
4.1 Chemische Zusammensetzung und Aufbau
Schildpatt besteht wie Horn, Federn oder Haare zu seinem größten Teil aus dem
Gerüstprotein Keratin, das im Epithelgewebe von Landwirbeltieren zu finden ist.
Dies ist ein hochmolekularer, schwefelhaltiger Eiweißstoff. Bei einer Glühprobe
und bei der Verarbeitung entsteht der Geruch von verbranntem Haar.
Aufgebaut ist es aus ca. 35 dünnen Schichten, die jeweils aus vielen Lagen flacher,
plättchenartiger, verhornter Zellen (1/200 –1/100 mm) gebildet werden.
In den polychromen Plattenzellen des Schildpatts, den gefleckten oder geflammten
Bereichen, befinden sich Pigmentkörner.
4.2 Materialeigenschaften
In erster Linie wurde Schildpatt sicherlich wegen seiner unterschiedlichen
Farbgebung und seiner Transparenz geschätzt. Diese Eigenschaften wurden für
farbliche Hintermalungen genutzt. In den meisten Fällen wurde Zinnober in den
Leim gemischt oder gefärbte Papiere hinter das Schildpatt gelegt.
Die thermischen Eigenschaften die Schildpatt aufweist, machen die Verarbeitung
zu Furnieren und die Verwendung als Überzugsmaterial, auch bei
dreidimensionaler Gestaltung überhaupt erst möglich.
In kaltem Zustand ist Schildpatt relativ hart und spröde. Die Härte nach Mohs
beträgt 2,5. Bei vorsichtigem Erwärmen wird es so elastisch, dass es sich
verformen lässt.
Die thermischen Eigenschaften werden auch genutzt, indem man mehrere Platten
miteinander verschweißen kann. Einmal zu hoher Temperatur ausgesetzt, verliert es
aber evtl. seine Transparenz. Der Kabinettschrank auf Abb. 11 zeigt bei der
Schildpattfurnierung einige bräunliche Stellen auf, die sich nach ca. 15 cm
Abb. 5 Querschliffnr. 1630 / Schichtenaufbau
einer Schildpattprobe / Vergrößerung 50x, UVLicht
mit Filter 2
14
wiederholen. Hier könnte das Verschweißen der einzelnen Schildpattplatten ein
Grund sein.
Der Hauptbestandteil Keratin ist in Wasser und den meisten organischen
Lösungsmitteln unlöslich, jedoch ist von einem Reinigungsbad darin strikt
abzuraten, da Schildpatt hygroskopisch ist. Ammoniak und konzentrierte Laugen
lösen Keratin an.
Durch den plättchenartigen Aufbau der verhornten Zellen (siehe Abb. 5) lassen sich
einige Eigenschaften des Materials erklären. So ist die Press- und Spaltbarkeit,
ebenso wie Beiz- und Polierfähigkeit nachvollziehbar.
15
5 HISTORIE
5.1 Verwendung von Schildpatt
Schildpatt gehört zu den ältesten Materialien, die von Menschen für Gebrauchs-,
Luxus- oder Kultgegenstände verwendet werden.
Lange vor unserer Zeit wurde Schildpatt schon von den Urvölkern der ozeanischen
Inselwelt, den Herkunftsgebieten der Karettschildkröten, für Schmuck und sonstige
Dinge verarbeitet.
Auch aus der Hochkultur der Ägypter und dem Römischen Reich sind Funde aus
Schildpatt belegt. Eine interessante Bemerkung zur Verwendung von
Luxusmaterialien im Möbelbau aus dem 1. Jh. n. Chr. lieferte der römische
Geschichtsschreiber Plinius d. Ä. (23 bis 79 n. Chr.): „Dies war der Beginn des
Luxus, dass man ein Holz mit einem anderen belegte und geringere Arbeit so mit
Holz, kostbarere mit Schale (Schildpatt) fertigte. Auch erdachte man ganz dünne
Holzblätter, und, nicht zufrieden damit, fing man an, die Hörner der Tiere zu
färben, Zähne zuzuschneiden und Holz mit Elfenbein einzulegen.“ 15.
Vom Ausgang des 16. Jahrhunderts bis heute wird dieses Material auch in weiten
Teilen Europas zu Luxusartikeln verarbeitet. Die Zeit der Entdeckungen fremder
Kontinente und ein erweiterter Welthandel waren der Auslöser dieser regelrechten
Schildpattmode.
Kuriositäten aus aller Welt fand man, bevorzugt im 16. bis 18. Jahrhundert,
besonders in den Kunst- und Wunderkammern des europäischen Hochadels. Dort
durfte Schildpatt als besonders wertvoller Werkstoff nicht fehlen.
Große Berühmtheit erlangte das Schildpatt mit den Einlegearbeiten des
Hofebenisten Ludwigs XIV., André Charles Boulle (1642 bis 1732), die sich
weltweit großer Beliebtheit erfreuten. Bei der nach ihm benannten Boulle-Technik
wurde Schildpatt mit Edelmetallen, wie Messing oder Zinn, verleimt und nach
15 Rosemarie Stratmann-Döhler; Möbel, Intarsie und Rahmen, in Reclams Handbuch der künstlerischen
Techniken, Bd. 3, S. 177
Abb. 6 Kupferstich des Museum Wormianum,
Kunstkammer um 1655
16
Mustervorlage die Ornamentik ausgesägt. Die „première partie“ besteht aus
Schildpatt als Fond und das eingelegte Muster aus dem Edelmetall (siehe Abb.7).
Bei der „contre-partie“ verhält sich dies umgekehrt. So konnten zwei gegengleiche
Möbel furniert werden.
In neuerer Zeit wurde Schildpatt auch für Gebrauchsgegenstände, wie
Brillengestelle, Badezimmer-Utensilien u.a. verarbeitet.
Abb. 7 Prunkschreibtisch mit Aufsatz,
Boulle-Technik, Antwerpen um 1700,
Residenz München
Abb. 8 Kämme, Schildpatt und Silber,
Goa oder Gujarat, 16 Jh., Sammlungen
Schloß Ambras
17
5.2 Objekte und Beispiele aus dem Kunsthandwerk
Abb. 9a Herzförmige Flasche, Schildpatt und Silber, Gujarat (?), 16. Jh., H 26,3
cm, Kunsthistorisches Museum Wien
Abb. 9b Becken, Schildpatt, Gujarat (?), 16. Jh., Ø 42,7 cm, Kunsthistorisches
Museum Wien
Abb. 9c Konfektschale, Schildpatt, Gujarat (?), 2. Hälfte 16. Jh., Ø 11,8 cm,
Kunsthistorisches Museum Wien
Abb. 10 Kabinettschrank, Südliche Niederlande, Ende 17. Jh.,
a b c
18
Abb. 11 Kabinettschrank, Materialien der
Marketterie: Schildpatt, Silber, Messing,
Kupfer, Perlmutt, Bein; Pietra Dura-Arbeiten
mit Edelsteinen, Augsburg um 1680/85, H 247
cm – B 181 cm – T 63 cm, Residenz München
Abb. 12 Innenleben des
Kabinettschranks auf Abb. 11
19
6 VERARBEITUNG
Die strengen Vorschriften der Zünfte und der Konkurrenzkampf zwischen
Handwerkern und Werkstätten ließen es nicht zu, dass man mühevoll erlernte
Verarbeitungstechniken weitergab. „Allein wenige Künstler wissen geschickt mit
diesem Materiale umzugehen, und diese Wenigen machen aus ihrem Verfahren ein
Geheimnis 16.“ So steht es in einigen Quellenschriften. Bei einem Vergleich der
Schriften des 17. bis 20. Jh. sind aber größtenteils die gleichen Arbeitsabläufe
beschrieben. Es ist jedoch schwierig diese Arbeitsgänge erfolgreich
nachzuvollziehen, da die Autoren meist nur Gehörtes und Gelesenes
niederschrieben.
Wegen fehlender Gerätschaften und Formen wurde bei dieser Versuchsreihe
improvisiert. Das verwendete Echte Schildpatt stammte ursprünglich aus einer
Zucht und wurde dem Vorrat der FAK Goering Institut entnommen.
Die nötigen Arbeitsschritte, die historische Quellenschriften nennen, werden im
Folgenden einzeln beschrieben. Die Vorgehensweise bei der Versuchsreihe wird
anschließend am Ende jeden Punktes gesondert dargestellt.
6.1 Planieren der Platten
Die Planierung der mehr oder minder gewölbten Platten ist die Grundvoraussetzung
für eine weitere Bearbeitung.
Die einzelnen Schildpattplatten werden in einem Topf mit siedendem Wasser mit
Öl- oder auch Salzzusatz erweicht. Sie sollten den heißeren Gefäßboden nicht
berühren können, da ab ca. 110°C eine Strukturzerstörung eintreten kann 17.
Herausnehmen sollte man das Schildpatt, wenn es sich durch das eigene Gewicht
faltet oder verbiegt.
Kleinere Stücke sollen auch über dem offenen Feuer erweicht werden können. Es
wird jedoch davor gewarnt, die Teile zu nahe an die Flammen zu bringen, da wie
erwähnt die Struktur wegen zu großer Hitze darunter leiden kann. Ab ca. 150°C
wirft Schildpatt Blasen und die Struktur ist vollständig zerstört.
Im frühen 18. Jahrhundert wurde das elastische Schildpatt nach dem Erweichen mit
einem Leinensack voll heißem Bachsand gepresst. Roubo erwähnte 1776 warme
Eisen- oder Messingplatten und bereits 20 Jahre später war in der Loos-
Enzyklopädie die Rede von einer speziellen Presse für diesen Arbeitsgang 18.
Man kann die gesamte Presse im Wasser behalten und die Spindel nach und nach
anziehen oder das weiche Schildpatt herausnehmen und zwischen vorgewärmte
Metallplatten pressen. Das Ergebnis ist Gleich.
16 J. G. Krünitz´s Ökonomisch-technologisches Encyklopädie, S.445
17 Hans-Werner Nett, Beitrag zum Thema Schildpatt, in Restauro 2/93, S. 103
18 Katharina Walch, Boulle-Marketerien an süddeutschen Klosterausstattungen des 18. Jahrhunderts, S.110
20
J. Sedlmajer rät, auf einer Seite zwischen Schildpatt und Zulage aus Holz oder
Eisen ein Stück Leder zum Ausgleichen der noch ungleichen Stärke zu legen 19.
Louis Edgar Andres hingegen schreibt von mehreren Lagen Filz die beidseitig
zwischen Schildpatt und heißer Metallplatte liegen sollten.
Versuch:
Größere Schildpattplatten wurden nach dem Erweichen einem Leinöl-Wasser-
Gemisch (ca. 0,1ml Leinöl in 3l Wasser), ohne zusätzliche Textilien in ca. 110°C
heiße Eisenplatten gelegt und mit Schraubzwingen dem nötigen Druck ausgesetzt.
Kleinere Platten wurden mit der Spindelpresse zwischen 110°C heißen Aluplatten
planiert.
In jedem Fall ist es notwendig, das Schildpatt zwischen den heißen Platten und
unter Druck erkalten zu lassen. Nach dem vollständigen Erkalten und Trocknen ist
es wieder so hart und spröde wie ursprünglich.
6.2 Egalisieren der Stärke
Begonnen wird mit der dem Panzer zugewandten Seite, da diese die unebenere von
Beiden ist. Es ist bei der Sprödigkeit des Materials auf eine volle Auflagefläche zu
achten. Als geeignete Werkzeug werden Schabeisen, Ziehklinge und Schlichtfeile
empfohlen (siehe auch Abb. 15).
Wichtig ist es, am Ende eine durchgehende Stärke auf der gesamten Fläche erzielt
zu haben. Diese gewährleistet eine gleichmäßige Biegung, dünnere Stellen könnten
sonst reißen.
Die beidseitige Bearbeitung ist notwendig, um eine gleichmäßige Transparenz des
Materials erreichen. Vor der Weiterverarbeitung sollten, zumindest auf der
Innenseite, deshalb keine Kratzer und Unebenheiten mehr erkennbar sein.
Welche Seite nach der fertigen Bearbeitung die Schauseite sein sollte, darüber gibt
es in den Quellenschriften zwei Meinungen. Es ist schwer, nach der Bearbeitung
einen Unterschied zwischen der dem Panzer zu- und dem Panzer abgewandten
Seite erkennen.
19 J. Sedlmajer, Die Bearbeitung von Schildpatt, in Arbeitsblätter für Restauratoren 1/71, S. 40
Abb. 13a Erweichen des Schildpatts in kochendem Wasser mit Ölzusatz
Abb. 13b Pressen des Schildpatts zwischen 110°C heißen Aluplatten
a b
21
Versuch:
Bei diesen Tests wurde beidseitig mit folgender Werkzeugreihenfolge
vorgegangen:
a) Schlichtfeile
b) scharfe Ziehklinge
c) Schleifpapiere von 100er bis 320er Körnung
d) Ausschleifen mit Wasser und Bimsstein/Bimsmehl
e) Polieren mit Buchenasche, Trippel, Talkum; jeweils mit Leinölzusatz
6.3 Schweißen
Über das Schweißen von Schildpatt schrieb Roubo in den Jahren 1771 – 76: „An
anderer Stelle erwähnte ich, dass man Schildpatt ohne Verwendung einer weiteren
Substanz verschweißen kann, was sehr einfach ist, auch wenn die Handwerker ein
großes Geheimnis daraus machen 20.“ Dem kann man nicht ohne weiteres
zustimmen, da Materialkunde und praktische Erfahrung für ein Gelingen
unumgänglich sind.
20 Jacques-André Roubo, L´Art du Menuisier, S. 1010
Abb. 14a Schleifen des Schildpatts
Abb. 14b Polieren des Schildpatts mit Bimsstein und Wasser
Abb. 15 Formen und
Gerätschaften zum
Bearbeiten von Schildpatt,
Roubo 1771-76;
Fig.7 und 8 Spindelpresse,
Fig.9 Querschnitt
einer Profilleiste,
Fig.11 Form für
eine räumliche Schildpattverformung
(siehe
Fig.9), Fig.13 Schabeisen,
Fig.14
Planierung von
Schildpatt, Fig.15
Schildpatt in siedendem
Wasser, Fig.16
Schildpatt für die
Verschweißung angeschrägt
a b
22
Um eine einzige große Platte Schildpatt vorzutäuschen, achtet man schon beim
Aussuchen der Platten auf Struktur und eine durchlaufende Zeichnung. Beim
Verschweißen werden die zu verbindenden Kanten (Abb. 15, Fig. 16) angeschrägt.
Die beiden Stücke müssen exakt gegengleich gefeilt und absolut fett- und staubfrei
sein. In Krünitz´s Ökonomisch-technologischer Encyklopädie ist diese
Vorsichtsmaßnahme treffend geschildert: „Noch ist hierüber zu bemerken, daß
wenn man beim Löthen oder Zusammenschweißen die Zange oder Presse
gebraucht, es eine nöthige Vorsicht ist, die Theile, welche vereiniget werden sollen,
von allem Staube und Fette rein zu erhalten; man darf sie daher auch nicht mit den
Fingern berühren, auch nicht einmal den Athem darauf fallen lassen 21.“
In vielen Quellenschriften wird geraten 3 bis 4 Lagen starkes Papier um die Fuge
zu wickeln und anschließend mit einem Faden zu fixieren. Andere benutzten
feuchte Leinentücher in der gleichen Art und Weise. Eine praktische Umsetzung,
ohne dass die schrägen Kanten verrutschen, ist schwer vorstellbar.
Die in einer Schreinerwerkstatt des 17. bis 20. Jahrhunderts zum Verschweißen
verwendete Zange (siehe Abb. 17), erhitzte man am Feuer so stark, dass sich ein
Papier daran nur leicht verfärbte. Mit dieser Zange wurde so lange Druck ausgeübt,
bis sich das Schildpatt durch das eigene Gewicht verbog.
Zum Erkalten wurde die verschweißte Platte min. 24 Stunden flach abgelegt.
Anschließend egalisierte man die Oberfläche nochmals, die sich durch die enorme
Hitze der heißen Zange verbogen und verformt hatte.
21 J.G. Krünitz´s Ökonomisch-technologische Encyklopädie, S. 450
Abb. 16 Verschweißung von Schildpatt,
Versuch 1
Abb. 17 Zange zum
Verschweißen von
Schildpatt mit einer
beweglichen und
einer unbeweglichen
Backe
23
Um 1900 verwendete man geschlossene, dampfdichte Eisenbehälter, die durch den
Deckel mit einer Spindel versehen waren. Diese Apparaturen ermöglichten es,
Schildpatt mit Wasserdampf und Druck zu verbinden. Dazu wurden die zu
verschweißenden Platten zwischen feuchte Tücher und heiße Metallplatten gelegt
und in dem geschlossenen Kasten gepresst. Mit einem Thermometer konnte man
die Temperatur im Inneren des Behälters überprüfen22.
Für Drechsler war Schildpatt wegen seiner geringen Materialstärke eher
uninteressant. Deshalb schweißte man für Schirmgriffe usw., mehrere Platten
Schildpatt übereinander, um eine Stärke von ca. 15 – 20 mm zu erreichen 23.
Versuch:
Die zu verschweißenden Kanten wurden mit Testbenzin gereinigt, um Staub- und
Fettrückstände zu entfernen. Um ein Verrutschen der angeschrägten Kanten
auszuschließen, wurden mehrere Lagen Furnierfugenpapier übereinander auf die
Fuge geklebt. Papier und Kleber ließen sich nach dem Schweißen rückstandslos mit
einem feuchten Schwamm entfernen.
Statt, wie historisch eine Zange zu verwenden, wurden zwei eiserne Vierkantstäbe
(15/15) benutzt. Die Temperatur der Stäbe wurde bei jedem Versuch etwas erhöht
(siehe Tabelle). Exakt über der Fuge liegend, wurden zwei Schraubzwingen
gleichmäßig angezogen und nachdem sich das Schildpatt merklich verbogen hatte,
wieder entfernt.
VERSUCH 1 2 3
Temperatur 110-105°C 112°C 115%°C
Stärke des
Schildpatts
1,5mm 0,7mm 0,7mm
Fasenlänge 6mm 8mm 4mm
Schweißung Negativ Teilweise positiv
22 Martin, Der Drechsler, S.293
23 Fritz Spannagel, Das Drechslerwerk, S. 180
Abb. 18 Verschweißtes Schildpatt, a) Versuch 2 und b)
Versuch 3
a b
24
Da sich die Platten während des 2. und 3. Versuchs (Abb. 18a/b) kaum verbogen
hatten, konnte man sie gleich auf einen Träger aus Eiche aufleimen. Als
Hinterlegung diente ein mit Zinnober gefärbtes Papier. Anschließend wurde die
Schauseite des Schildpatts auf dem Träger geschliffen und poliert.
6.4 Räumliche Verformung von Schildpatt
6.4.1 Räumliche Verformung ohne Dehnung des Materials
Um das Schildpatt in eine gewünschte Form zu bringen braucht man Positiv- und
Negativform. Diese können entweder aus Metall oder Holz bestehen. Am besten
bewährt haben sich Kupferformen, da Kupfer die Wärme am Besten speichert und
das Schildpatt in der Form allmählich auskühlen kann. Werkstätten, die regelmäßig
Schildpatt verarbeiteten, besaßen in der Regel verschiedene gegossene
Kupferformen. Der Vorteil ist, dass sie im Gegensatz zu Holzformen beliebig oft
verwendbar sind und keine Struktur ins weiche Schildpatt pressen.
Um Profilleisten u.ä. mit Schildpatt zu belegen, ist eine räumliche Verformung des
Materials nötig. Hierzu werden die planierten Platten im siedenden Wasser mit Öloder
Salzzusatz gekocht. Das Schildpatt sollte etwas größer als die Form sein, da es
sich auf Grund seiner hygroskopischen Eigenschaften im Wasser ausdehnt und
beim Abkühlen wieder zusammenzieht. Deshalb muss beim Konstruieren der
Formen darauf geachtet werden, dass genug Platz für die Ausdehnung vorhanden
ist.
Anschließend wird das weiche Schildpatt in die Form und das Gegenstück exakt
darüber gelegt und fest gespannt. Auch hier ist es gleich, ob dieser Vorgang im
Wasser geschieht oder mit angewärmten Formen. Unter Druck 24 Std. auskühlen
lassen und dann erst der Form entnehmen.
Abb. 19 Querschliffnr. 1631, Verschweißtes
Schildpatt, 100x Vergrößerung, UV-Licht mit
Filter 2
25
Versuch:
Wie auf Abb. 20 zu sehen, wurden Holzformen (Ausschnitt aus einer Profilleiste)
mit Kupferblecheinlage, die im Wasser auf die gleiche Temperatur wie das
Schildpatt erhitzt wurde verwendet. Es reichte aus, das elastische Schildpatt aus
dem Topf zu nehmen, zwischen die Form zu legen und zu pressen. Eine im heißen
Wasser stattfindende Verbiegung war nicht nötig.
Leider konnte man nach dem Ausspannen feststellen, dass die Transparenz des
Schildpatts nicht mehr durchgehend vorhanden war. Vermutung: Eine zu große
Hitze mit max. 100°C bei Wasser und Kupferform konnte nicht als Grund in Frage
kommen. Da die Formen per Hand hergestellt wurden, könnte es evtl. an einigen
Stellen an Druck gefehlt haben und dadurch zu Luft- oder Feuchteeinschlüssen
gekommen sein. Als zweite Überlegung wäre noch eine vorzeitige Veränderung der
Eiweißstruktur denkbar. Eine genaue Untersuchung dieser Veränderung muss noch
durchgeführt werden.
6.4.2 Räumliche Verformung mit Dehnung des Materials
Auch hierbei gilt das Gleiche für die Formen, wie bei der räumlichen Verformung
ohne Dehnung des Materials. Das Schildpatt muss aus den unter 6.3.1 genannten
Gründen ebenfalls etwas größer als die Form bemessen werden.
Die Vorgehensweise ist ähnlich, eine Verformung sollte hierbei aber vollständig im
Wasser stattfinden, da die dreidimensionale Verbiegung in dieser Weise eine
weitaus höhere Belastung für das Material bedeutet.
Das Schildpatt wird nach dem Herausnehmen aus dem Wasser schnell wieder
spröde und damit auch brüchig. Deshalb ist es wichtig, die weiche Platte in eine nur
leicht angezogene Presse zu stellen.
Anschließend wird die gesamte Presse in einen Topf mit siedendem Wasser gestellt
und nach und nach angezogen. So wird das Schildpatt schonend in eine neue Form
gebracht.
Abb. 20 Räumliche Verformung ohne Dehnung
des Materials
26
Nachdem die Presse vollständig geschlossen ist, kann sie wieder herausgenommen
werden und 24 Std. zur Auskühlung stehen gelassen werden.
Versuch:
Um eine Kartusche zu formen wurde eine Positivform aus Messing benutzt und die
passende Gegenform dazu angefertigt.
Das planierte und im Wasser wieder erweichte Schildpatt wurde heraus genommen
und zusammen mit der Innenform in die ebenso erhitzte Außenform gelegt.
Zusammen legte man alles unter eine Spindelpresse und zog diese nur leicht an.
Danach wurde die gesamte Presse in einen großen Topf mit siedendem Wasser
gestellt und nach und nach angezogen (Abb. 21).
Beim ersten Versuch mit einer vorhandenen Messingaußenform und einer
Holzinnenform, war die Höhe von 4cm zu hoch bzw. die Form zu tief bzw. der
Durchmesser von 8cm zu gering für die Tiefe. Das weiche Schildpatt lies sich nicht
so weit dehnen, sondern es faltete sich übereinander.
Der zweite Versuch wurde mit einer Außenform aus Messing für eine 1,6 cm hohe
Ovalkartusche durchgeführt (12,5 x 8cm). Die Innenform wurde mit
Polyestergießharz der Fa. Voss Chemie abgegossen. Die räumliche Verformung des
Schildpatts war zwar vorhanden, jedoch befanden sich am Rand der
Schildpattkartusche Falten. Diese Form eignete sich herstellungsbedingt durch das
Gießen nicht.
Als nächstes wurde ein Epoxidharz mit der Produktbezeichnung Klebepaste und
Hohlfugenkitt, der Firma Gößl und Pfaff für die Innenform verwendet (Abb. 22).
Dieses Material konnte besser als das Gießharz auf Polyesterbasis verarbeitet
werden, da die Konsistenz pastenartig und nicht flüssig ist. Eine Innenform konnte
relativ schnell angefertigt werden. In siedendem Wasser blieb die Form stabil.
Auch bei der Dehnung des Materials war ein Erblinden nach dem ersten Versuch
festzustellen. Es wurde jedoch bei allen Versuchen das gleiche Schildpatt
verwendet, um das Material nicht unnötig zu verschwenden. Auch hier muss noch
weiter nach den Gründen geforscht werden, ob darin ein Zusammenhang besteht.
Abb. 21 Spindelpresse in heißem Wasser mit Ölzusatz, Schildpatt
bei der räumlichen Verformung mit Dehnung des Materials
27
6.5 Aufleimen auf den Träger
Die Transparenz der Schildpattfurniere wurde wohl seit der ersten Verwendung von
diesem Material gekonnt ausgenutzt. Ab dem 17. Jh. wurde Schildpatt in Europa
am häufigsten mit rot gefärbtem Papier hinterlegt oder der Leim mit
Zinnoberpigmenten eingefärbt. Seltener waren schwarze und grüne Untergründe,
sowie Blattgold.
Die Hinterlegung des Schildpatts hatte den Vorteil, dass die durchscheinende
Holzstruktur nicht mehr zu sehen war.
Versuch:
Die Ovalkartusche wurde mit eingefärbtem Hasenleim auf einen Träger aus Eiche
aufgeleimt. Der Profilleistenausschnitt und die beiden Schweißversuche 2 und 3
wurden jeweils mit einem rot gefärbten Papier hinterlegt. Alle Einfärbungen sind
mit Zinnober durchgeführt worden.
Abb. 22 Räumliche Verformung von Schildpatt mit
Dehnung, Form: Epoxidharz
Abb. 23a Messingaußenform
Abb. 23b Gebogenes und gedehntes Schildpatt
Abb. 23c Innenform aus Epoxidharz
a b c
28
Abb. 24a Räumliche Verformung ohne Dehnung des Schildpatts;
Eichenholzträger
Abb. 24b Räumliche Verformung mit Dehnung des Schilpatts;
Eichenholzträger
Abb. 24c Verschweißtes Schildpatt; Eichenholzträger
a b c
29
7 Resümee
Um mit Schildpatt arbeiten zu können sind Materialkunde und praktische
Erfahrung für ein Gelingen unumgänglich.
Trotz mangelnder Erfahrung und anfänglicher Fehlschläge, konnten diverse Erfolge
und daraus resultierende Erkenntnisse gewonnen werden. Auch wenn einige Fragen
offen blieben, wie die Erblindung des Materials bei der räumlichen Verformung,
offen blieben. Eine Vielzahl von Quellenschriften lassen keinen eindeutigen
Ausschluss und Aufschluss von Verarbeitungsproblemen zu. Auch birgt das
Umsetzen beschriebener Arbeitsabläufe, ohne genaue Temperaturangaben o.ä.,
zusätzlich Schwierigkeiten. Gespräche mit einigen Restauratoren, die mit dem
Material gearbeitet haben, konnten nur teilweise Aufschluss über die
Verarbeitungweise geben.
Die Verschweißung des Schildpatts verlangte mehrere Versuche, die letztendlich
zum Erfolg führten. Nicht nur, aber gerade bei der Verschweißung von Schildpatt,
ist genaues und sauberes Arbeiten erforderlich.
Abschließend sollte noch erwähnt werden, dass trotz der Verwendung von
Zuchtschildpatt oder aus Zollbeständen, respektvoll und sparsam mit diesem
seltenen Rohstoff umgegangen werden sollte. Restauratoren, die mit Schildpatt
arbeiten, sollten sich umfassend über Arbeitstechniken informieren, um positive
Ergebnisse zu erzielen.
30
LITERATURANGABEN
Andres, Lois Edgar; „Verarbeitung des Horns, Elfenbeins, Schildpatts, der Knochen, des
Perlmutts“; Wien/Leipzig 1911
Arbeitsblätter für Restauratoren, Arbeitsgruppe 8; „Holz, Pflanzenreste, Knochen u.a.“; S.
40-43; Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren und Römisch-Germanisches Zentralmuseum;
1/71
Becker, Rolf und Zimmermann, Bernd; http://www.beyars.com/de/de_schildpatt.html
CITES;
http://www.bvet.admin.ch/artenschutz/d/vollzugshilfen/as112/cheloniidae/1_index.html
Fabri, Ria; Catalogue exposition; „Meubles d´apparat des Pays-Bas méridionaux » ;
Bruxelles 1989
Freyer, Ulli; « Pariser Pendulen mit Boullemarqueterie » in: Uhren – Journal für Sammler
klassischer Zeitmesser; S. 33-40; Callwey Verlag München 1/93
Krünitz´s Ökonomisch-technologische Encyklopädie, Schiffahrt – Schlacht; Berlin 1826
Kühn, Hermann; „Erhaltung und Pflege von Kunstwerken und Antiquitäten 1“; München
1974
Langer, Brigitte; „Zwei Kabinettschränke“ in: Die Möbel der Residenz II; S. 82-89, 95-100;
München/New York 1996
Martin, C.A.; „Der Drechsler“; S. 291-95; Leipzig 1905
Mundt, Barbara; „Schatzkästchen und Kabinettschrank“ in dem Katalog des
Kunstgewerbemuseums Berlin; S. 13; Berlin 1989
Nett, Hans-Werner; „Beitrag zum Werkstoff Schildpatt“ in Restauro 2/93; S. 99-105
Nowak, Gerhard; http://www.home.t-online.de/home/s.gerlinger/P-B-C-Tahiti/G-Tahiti-
2.html
Prömper, Katrin; „Schildpattimitationen auf Horn“; Projektarbeit an der FAK Goering
Institut München 1998
Roubo, Jacques-André; Reprint, o.O., o.J.; L´art du Menuisier; Paris 1771-76
Schnappauf, Ulrich; http:www.ifaw.org/press/german/gr032900.html
Seipel, Dr.Wilfried; Hg. Wilfried Seipl; Kat. Ausst. „Exotica“; S.171, 179; Wien 2000
31
Siddon, G.A.; „Praktischer und erfahrener englischer Ratgeber“; S. 370-77; B.F. Voigt;
Weimar 1835
Spannagel, Fritz; „Das Drechslerwerk“; Ravensburg 1981
Stratmann-Döhler, Rosemarie; „Möbel, Intarsien und Rahmen“ in Reclams Handbuch der
künstlerischen Techniken 3; Stuttgart 1986
Vuilleumier, Ruth; „Schildpatt – Verarbeitungstechniken und Imitationen“ in Brachert,
Thomas, Hg.; Beiträge zur Konservierung und Restaurierung alter Möbel; S. 130-37

Anti-Werbe-Email an beliebige Adressaten

Moin Freunde,

nach langer Zeit und aus gegebenem Anlass mal wieder ein kleiner Beitrag, für alle, die extrem von Werbung genervt sind und gern etwas dagegen unternehmen möchten.

Ich habe mir schon seit Jahren angewöhnt, offen und deutlich meine Meinung zu vertreten. Sowohl in der Schlange beim Lebensmitteldiscounter (sofern ich solche Geschäfte überhaupt noch betrete) als auch z.B. bei der unsäglichen Mediamarkt Werbung in der Glotze.

Meine Letzte (zu recht aus reiner Notwehr aggressive Mail) bzg. der Mario Barth Mediamarkt Werbung stelle ich hier mal ein in der Hoffnung, dem Einen oder Anderen eine Motivation zu geben, es mir gleichzutun.

In den Zeiten des Web 2.0 ist es nämlich gar kein Problem mehr, seine Meinung schnell und deutlich beim Adressaten unterzubringen. also zögert nicht und nehmt wie ich den Kampf gegen die Weindmühlen in Ämtern, Läden, TV, Kino oder wo sonst noch, auf!

Hier ein Beispieltext (hilft ausgezeichnet zum Agressionsabbau):

Sehr geehrte Damen & Herren,

aus gegebenem Anlaß möchte ich Ihnen mitteilen, das ich NIE WIEDER in meinem ganzen Leben einen ihrer unsäglich beworbenen Läden betreten werde. Dieses werde ich nach Möglichkeit ALLEN meinen Freunden, Bekannten und anderen Bekannten mitteilen und Sie intensivst bitten, es mir doch gleichzutun!
Ich denke, da (zumindest in meinem Bereich) ein IQ von teils weit über 110 i.d.R. anzutreffen ist, renne ich dort ‘eh offene Türen ein.

Ihre aggressive Proletenwerbung erreicht bei mir (und vielen Bekannten) exakt das Gegenteil dessen, was Werbung erreichen soll: Nämlich Verbraucher und KUN-DEN über ein Produkt informativ, niveauvoll und intelligent, bisweilen auch witzig, zu informieren.

Das Einzige, was Ihre “Werbung” erreicht ist, in mir den Wunsch zu erwecken, mit einer geladenen Pumpgun einen ihrer Läden zu stürmen. Wollen Sie das wirklich erreichen?

Mit freundlichen Grüßen
J.S.

3…-…2…-…-…1…-…BANZAI!!!

Wie versprochen der Thread zu den japan. Rasiermessern:

Isch abe die Messär bei ebay.fr erstohndän.
Darum habe ich auch keine Sammelbestellung für Euch aufgemacht. Hättet mir die guten Stücke ja glatt vor der Nase weggeholt ;-)

Geliefert werden Sie allerdings aus Japan. Sind “antike” Stücke, das heisst, ich weiss nicht in welchem Zustand sie wirklich sind.

2 original Kamisori sowie zwei “europäische” Messer aber aus japanischer Produktion (Stahl, Schalen etc.).

Auf dem Bild siehts fast so aus, als seien es Shavettes. Aber kann auch sein das die Japaner einfach etwas andere Klingenformen schmieden. Sehr wahrscheinlich sogar.
Mehr fotos als das eine habe ich nicht. Sobald sie da sind, werden sie aufgearbeitet und ich stelle ein paar richtig schöne Bilder hier rein.

Vielleicht, aber nur vielleicht verkaufe ich auch ein oder zwei weiter… Mal schauen. Erst die Rasur, dann das Geschäft.

Übrigens habe ich inkl. Airmail Versand rund 60 Euro bezahlt. Ich denke, das ist vertretbar

Öhm… Wie mach ich das jetzt doch gleich mit dem Bild??? Muss ich das anderweitig einstellen? Seufz…

Hier das wenig aussagekräftige Foto und der franz. eBay Text:

Beschreibung Der Verkäufer ist verantwortlich für das Angebot.

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veuillez lire attentivement les détails du descriptif

et réclamer les informations sur messagerie EBAY ,

le décalage horaire entre Paris et Tokio est de huit heures

envoyez vos questions à temps …

24 heures avant la fin des enchères .

- Les frais d’expédition sont indiqués au bas de cette page -

suivant la compatibilité des formats - le groupage des objets est possible

pour un poids maximum de deux kg. par colis . En principe les délais d’acheminement sont de 8 à 12 jours ,

la poste accepte les dossiers de réclamations 30 jours après l’envoi , et ne délivre des informations qu’un mois plus tard

soit 60 jours à compter de la date de cet envoi . Livrés dans les 4 à 6 jours et faciles à suivre , les courriers EMS

sont le seul mode d’expédition sécurisé et garanti par la poste , tarifs 300 g. 16 euro / 500 g. 19 euro / 1kg. 30 euro /

Environ le double du tarif avion prioritaire recommandé donné ici .

RENVOI DES OBJETS

accepté dans un délai de 8 jours après réception

FRAIS PORT DE RENVOI , OU DE RETOUR , À MA CHARGE

L’ADRESSE DE RETOUR SERA FIXÉE AVANT EXPÉDITION

****

LE PRIX DE L’OBJET SERA REMBOURSÉ

LES FRAIS PORT ENVOI RESTENT À LA CHARGE DE L’ACQUEREUR

****

Merci pour votre compréhension .

EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE

KAMISORITOKOYAHIGÉSORIKAMISORITOKOYAHIGÉSORI

deux rasoirs de coiffeur

- ANCIENS ANNÉES 30 & 50 SHOWA -

DEUX KAMISORI

Ensemble de deux Kamisori , rasoirs anciens , l’un bien marqué….

sur la lame , et le manche

TOWA même que sur son étui d’origine , TOWA RAZOR TOKYO fukai factory

des années 50 … le second , plus ancien ,

des années 20 - 30 , boîtier de papier et lamelles de bois laqué

peu courant format et profil , antique , manche recouvert de cordon de Bambou

typique de ces années là , les deux rares de coiffeur ,

lames vives , en bon état ce genre ne se trouve plus ……

tels que découverts …..

***

TOWA - lame - 71 mm x 19 mm - plié fermé- 160 mm -

Antique - lame - 73 mm x 21 mm - longueur - 150 mm -

en bon état comme sur les photos

***

Les objets que je présente sont anciens , Je les décris au mieux ,

cependant il est possible que certains détails échappent à mon attention ,

merci de votre compréhension .

***

Voir mes autres ventes - Japon - couteaux et lames

***

Expédition

ENVOI de TOKIO

FRANCEEUROPE

Avion prioritaire recommandé 17,50 euro

WORLD WIDE DELIVERY

Via Air mail registered 21,50 euro




Arthur und die Minimoys

Fantasievollen Fantasy-Saga zwischen Real- und Animationswelten, Action und Science-Fiction, Kunst und Kinderfilm.

Als ein Immobilienhai das Haus seiner Großmutter einkassieren will, muss Arthur den versteckten Schatz des Großvaters finden und in die Welt der Minimoys hinabsteigen. Auf zwei Millimeter geschrumpft trifft er in dem geheimen Königreich die wunderschöne Prinzessin Selenia und ihren Bruder Beta. Gemeinsam macht sich das Trio auf die Suche und gerät dabei in die Fänge eines finstren Tyrannen, der die Welt der Minimoys zerstören will.

Mehr dazu demnächst.

Pans Labyrinth

Packender Fantasyfilm, in dem sich ein zwölfjähriges Mädchen vor der Brutalität des Franco-Regimes in eine verlockend schillernde Märchenwelt flüchtet.

Die zwölfjährige Ofelia reist mit ihrer schwangeren Mutter zu deren neuen Ehemann, Franco-General Vidal, der in den spanischen Wäldern Jagd auf eine Guerilla-Gruppe macht. Ofelia entdeckt ein steinernes Labyrinth und macht Bekanntschaft mit einem Faun, der ihr offenbart, sie sei die verlorene Prinzessin eines unterirdischen Königreichs und müsse drei Aufgaben erfüllen, um dorthin zurückzukehren. Zugleich zwingt die unfassbare Brutalität Vidals den Widerstand dazu zu handeln.

Hier ein “Spiegel Artikel” mit mehr Inofs zum Film. Die ich übrigens alle unterschreiben kann. Der Film ist ganz wunderbar!!! Herrlich gefilmt, sehr sehr gute Datsteller (Vidal ist wirklich übel und lächerlich zugleich).

Unbedings ansehen!!!

 Der Traum vom Faun

Von Andreas Borcholte

Eskapismus mit ernsten Untertönen: In Guillermo del Toros Erwachsenenmärchen “Pans Labyrinth” flüchtet sich ein kleines Mädchen vor dem spanischen Faschismus in eine Traumwelt mit Tücken. Das zauberhaft-anrührende Drama ist für sechs Oscars nominiert.

Spanien 1944, der Bürgerkrieg ist seit Jahren vorbei, das ganze Land wird von dem faschistischen General Francisco Franco regiert. Das ganze Land? Nein, ein paar versprengte Rebellen leisten in den bewaldeten Bergen im Norden erbitterten Widerstand und halten an einer Republik fest, die längst Geschichte ist - und es lange, 40 Jahre, bleiben wird.

 

Szene aus

SENATOR

Szene aus “Pans Labyrinth”: Ofélia im Wunderland

 

Finstere Zeiten also, in die Ofélia da gerät. Das kleine Mädchen reist mit ihrer hochschwangeren Mutter Carmen in eben jene Rebellenregion, um bei ihrem Stiefvater zu leben. Capitan Vidal, selbst ein kleiner Diktator und ein eitler Fatzke noch dazu, hält auf einem Berghof, einer alten Mühle, mit seinen Soldaten die Stellung und verteilt Francos Brot an die verarmte Bevölkerung. Vidal und Ofélia, das wird schnell klar, mögen sich nicht: Das versponnene Mädchen, das sich gerne in Märchenbücher vertieft und von Feen träumt, passt nicht zu dem fanatischen Macho, der außer Hass auf Francos Gegner nur seinen noch ungeborenen Sohn im Kopf hat. Der Stiefvater ein Schurke, die Mutter unmündig und krank - was liegt da näher als die Flucht ins Irreale?

“Pans Labyrinth” ist einer der erstaunlichsten Filme des vergangenen Jahres, zum einen deshalb, weil man einen solchen Geniestreich von dem mexikanischen Splatter-Fan Guillermo del Toro (”Blade 2″, “Hellboy”) nicht erwartet hätte; zum anderen, weil eskapistische Märchenfilme zumeist im Kitsch versinken und eine letztlich allzu heile Welt propagieren. Del Toros Film, obwohl deutlich inspiriert von Klassikern wie “Der Zauberer von Oz”, bricht mit den Märchen-Konventionen Hollywoods und führt das Genre mit zahlreichen Zitaten aus der Popkultur in die Welt der Erwachsenen und zum Autorenfilm, wo Happy Ends eher die Ausnahme bilden.

 

VIDEOS ZUM FILM

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Video: Senator/Central


“Pans Labyrinth” -
Trailer und Ausschnitte

Anders als ihre Vorbilder Dorothy und Alice muss Ofélia nicht in andere Dimensionen vordringen, um in ihre Phantasiewelt zu gelangen. Die Übergänge zwischen der Realität des spanischen Bürgerkriegs und dem zauberhaften Reich, in dem der schelmische Naturgott Pan (lateinisch: Faunus) auf eine verschollene Prinzessin wartet und Tinkerbell-ähnliche Feen als Insekten-Scouts tarnt, sind fließend, so dass sich die realen Ereignisse auch in der vermeintlichen Traumwelt spiegeln. Natürlich ist Ofélia die gesuchte Prinzessin, aber bevor sie ihren rechtmäßigen Platz auf dem Thron (bei ihrem im echten Leben verstorbenen Vater) einnehmen kann, muss sie drei Tests bestehen. Eintritt in das magische Reich erhält sie durch ein zugewachsenes Labyrinth, das wie ein Garten hinter dem Berghof liegt. 

Pans Labyrinth: Flucht vor den Faschisten

Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (6 Bilder)

 

Virtuos gelingt es del Toro, reale Handlung und Phantasie-Plot nebeneinander her zu erzählen, ohne dass die Spannung in einem der Stränge nachlässt. Während Ofélias Prüfungen immer gruseliger werden - in einer Szene muss sie sich ohne zu naschen an einer reich gedeckten Tafel vorbeischleichen, an der ein augenloses und offensichtlich kinderfressendes Monster nur auf eine falsche Bewegung lauert -, spitzt sich auch draußen die Lage zu. Vidals Hausmagd Mercedes (Maribel Verdú) ist nicht nur Ofélias heimliche Vertraute, sondern außerdem die Schwester eines Rebellen, die Vorräte, Informationen und manchmal sogar den verbündeten Arzt aus der Höhle des Löwen schmuggelt. Solche Umtriebe bleiben dem fiesen, aber nicht dummen Vidal natürlich nicht lange verborgen. Als er einen gefangenen Rebellen grausam zu Tode foltert, eskaliert die Situation - und ausgerechnet der narzisstische Capitan trägt eine Wunde davon, die sein überhebliches Lächeln zur hässlichen Fratze entstellt.

 

PANS LABYRINTH
(MEXIKO/SPANIEN 2006)

Originaltitel: El Laberinto del Fauno
Regie: Guillermo del Toro
Buch: Guillermo Del Toro
Darsteller: Sergi Lopez, Maribel Verdú, Ivana Baquero, Doug Jones
Produktion: : Warner Bros., Tequila Gang, Esperanto Filmoj
Verleih: Senator
Länge: 119 Minuten
Start: 22. Februar 2007

www.panslabyrinth.com

Subtil ist sie nicht, die Bildsprache del Toros, aber das sind vielleicht die Zugeständnisse an das plakative Märchengenre: Die furchterregende Figur des bleichen und blinden Monsters in Ofélias Prüfung ist nicht nur eine Hommage an Francisco Goyas Bildnis des Gottes Saturn, der seinen Sohn frisst; in der Tafel voller verdorbener Leckereien, die der Unhold darbietet, reflektiert der Film auch die falschen Verheißungen faschistischer Regimes: Draußen auf dem Berghof spielen sich Francos Truppen als Volks-Versorger auf und verteilen Brot, doch der Preis für einen vollen Magen ist die Freiheit des Individuums. In der Unschuld des kindlichen Geistes, verkörpert durch Ofélia, liegt einerseits die Gefahr der Verführbarkeit, andererseits aber auch die Chance einer Utopie: die Befreiung von der lähmenden Geißel der Diktatur in naher Zukunft. 

Trotz schwerwiegender Thematik behält der Film eine Leichtigkeit, die ihn selbst am tränenreichen Ende vor zu viel Pathos bewahrt. Kameramann Guillermo Navarro (”Hellboy”), der schon Robert Rodriguez’ “Desperado” und “From Dusk Till Dawn” filmte, entwirft angemessen kraftvolle Chiaroscuro-Bilder, die dem Geschehen tatsächlich etwas Träumerisches verleihen. Aber die Frage, ob sich Ofélia ihren gehörnten Waldgeist, sein Labyrinth und seine Prüfungen nur zusammenphantasiert oder ob sie Teil der Wirklichkeit sind, bleibt offen. Die Flucht ins Irreale findet also nicht wirklich statt, und aus dieser Konstruktion gewinnt der Film bei aller Tragik und Düsternis letztlich eine kräftige Portion Optimismus: Die Szenen, in denen Ofélia in Pans Labyrinth ihre Rätsel lösen muss, wurden wohl nicht zufällig mit Mercedes’ Ausflügen zum Rebellenlager kombiniert - die bessere Welt, sie könnte wahr werden.

Diese meisterlich erzählte Geschichte wird von hervorragenden Darstellern zum Leben erweckt, allen voran die beim Filmdreh erst elf Jahre alte Ivana Baquero als Ofélia - und Sergí Lopez, der seinem Über-Schurken Vidal bei aller Bosheit auch eine menschliche Facette lässt, durch die der Schrecken erst richtig greifbar wird.

“Pans Labyrinth” ist für insgesamt sechs Oscars nominiert, darunter auch als bester fremdsprachiger Film. In dieser Kategorie konkurriert Guillermo del Toro unter anderem mit Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama “Das Leben der Anderen”. Die Filme, obwohl sie in Ästhetik und Plot unterschiedlicher nicht sein könnten, haben dennoch etwas gemeinsam: Beide handeln vom Aufbäumen der Humanität gegen ein unmenschliches Regime.

Hannibal Rising

Fünftes Filmabenteuer mit dem längst legendären Hannibal Lecter, das von den frühen Tagen des Kannibalen erzählt.Im Zweiten Weltkrieg muss Hannibal Lecter in Litauen mit ansehen, wie seine Schwester von ausgehungerten Soldaten ermordet und gegessen wird. Traumatisiert verschlägt es den jungen Mann nach Paris, wo er seine Ausbildung erhält und lernt, sich unliebsamer Menschen auf kultivierte Weise zu entledigen.
Demnächst mehr!

Saw III

Der Jigsaw Killer lädt zum dritten perversen Spiel auf Leben und vor allem Tod.

Der Jigsaw Killer lädt zum dritten perversen Spiel auf Leben und vor allem Tod. Während die Polizei weiterhin nach Jigsaw fahndet, hat der dahinsiechende Sadist mit seiner Gefolgsfrau Amanda bereits die nächste Runde seines perversen Spiels eingeläutet: Amanda entführt die Ärztin Dr. Lynn Denlon nach einer ihrer Schichten im Krankenhaus und bringt sie in ein leerstehendes Lagerhaus: Dort soll sie Jigsaw so lange am Leben erhalten, wie sein neues Opfer Jeff braucht, eine Reihe von Aufgaben auf Leben und Tod zu lösen.

Demnächst mehr, bibber.

Das Spiel der Macht (All the King’s men)

Einer der kommenden sicherlich sehenswerten Filme. Werde ich mehr zu schreiben, wenn ich ihn gesehen habe:

Der charismatische Südstaatenpolitiker “Boss” Willie Stark (SEAN PENN) hat es weit gebracht. Unaufhörlich steigt der populäre Demagoge die Karriereleiter immer weiter hinauf und tritt mehr und mehr ins Rampenlicht. Der einst nicht minder idealistische, nun aber verbitterte Ex-Reporter Jack Burden (JUDE LAW) ist Stark dabei unfreiwillig eine große Hilfe auf seinem steilen Weg nach oben. Doch dort “oben” herrschen Korruption und Verrat, ist kein Platz für Idealismus. Das muss Willie Stark am eigenen Leib erfahren. Zunehmend verliert er seine anfängliche Unschuld und wird genauso korrupt wie all diejenigen, die er zuvor so vehement verfolgt hat. Nach seinem spektakulären Aufstieg erlebt der Politiker einen tiefen Fall. Absolute Macht korrumpiert absolut - eine Erkenntnis, die bald zur bitteren Wahrheit für Willie wird …

Steven Zaillian (Drehbuch-Oscar® für “Schindlers Liste”) schrieb basierend auf Robert Penn Warrens Pulitzer-Preis-gekröntem Meisterwerk von 1946 das Drehbuch zu ALL THE KING’S MEN und führte auch Regie. In dem erstklassig besetzten Drama brillieren Oscar®-Preisträger Sean Penn (”Mystic River”)

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in der Hauptrolle sowie Jude Law (”Hautnah”), Kate Winslet (”Vergiß mein nicht!”), James Gandolfini (”8mm”), Mark Ruffalo (”Collateral”), Patricia Clarkson (”Dogville”) und Oscar®-Preisträger Anthony Hopkins (”Das Schweigen der Lämmer”).


Der gute Hirte

Regie von Robert DeNiro:

 Geschichtsunterricht über die Gründung der CIA. Scheitn durchaus gut zu sein. Mehr demnächste und hoffentlich keine übliche Geschichtsklitterung als USA.